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Die richtige Kontaktlinse? Antwort auf spiegel.de

Am 13.09.2013 erschien auf Spiegel Online der Artikel "So finden Sie die richtigen Kontaktlinsen"

Dieser Artikel beinhaltet einige ungenaue, bzw. falsche Informationen und einige nur unzureichend erklärte Nebensätze.

Nachfolgend eine Auflistung der offensichtlichsten Schwächen

1. Weiche Kontaktlinsen erzeugen im Gegensatz zu harten Kontaktlinsen kein Fremdkörpergefühl. Deshalb können sie ohne Eingewöhnungszeit zum Beispiel im Wechsel mit einer Brille getragen werden.

Antwort:
Okay, das Fremdkörpergefühl von harten Linsen ist schon enorm, aber weiche Linsen merkt man auch. Nur neueste Entwicklungen wie die PureVision 2 HD sind so dünn, dass man diese kaum noch merkt. Kaum nocht heisst nicht "kein".
Eingewöhnungszeiten sind individuell und sollten je nach Tragetyp mit dem Optiker abgesprochen werden.

2. Gegen weiche Linsen spricht, dass sie eine aufwendigere Pflege erfordern als harte Linsen

Antwort:
Jede Tauschlinse, ob weich oder hart benötigt Pflege. Die Abfolge der täglichen Pflege, also das herausnehmen, abreiben, abspülen und in den Behälter zur Aufbewahrung legen ist vollkommen identisch. Was ist jetzt aufwendiger? Gut, weiche Linsen muss man etwas vorsichtiger behandeln, aber sonst?

3. Ein weiterer Nachteil der weichen Linse ist, dass man sie in der Regel nicht nutzen kann, wenn die Hornhautoberfläche an verschiedenen Stellen unterschiedlich gewölbt ist (Hornhautastigmatismus).

Antwort:
Nun, dafür gibt es seit Jahrzehnten weiche Linsen. Die nennen sich torische Linsen und können Hornhautverkrümmungen ausgleichen. Wo war nochmal der Nachteil?

4. Die Hornhaut im Auge benötigt Sauerstoff für ihren Stoffwechsel. Aus diesem Grund sind Linsen mit hoher Sauerstoffdurchlässigkeit verträglicher.

Grundsätzlich ja. Aber die Linsen mit den besten Sauerstoffwerten sind aus Silikon-Hydrogel und das Silikon darin stört manches Auge. Hier helfen biokompatible Kontaktlinsen, die leider nicht so hohe Sauerstoffdurchlässigkeit besitzen.

5. Bei guter Sauerstoffdurchlässigkeit können weiche Kontaktlinsen bis zu zwölf Stunden im Auge verbleiben, harte 16 bis 18 Stunden. 

Antwort:
"Verlängertes Tragen" sagt der Fachmann zu Linsen, die bis zu 14 Stunden im Auge gelassen werden dürfen. Bei klassischen Hydrogellinsen mit geringer Sauerstoffdurchlässigkeit (sieht man am DK-Wert) sollte man die 8 Stunden nicht überschreiten. Aber es geht weiter:

6. Nachts sollten alle Linsen aus dem Auge entfernt werden. 

Antwort:
"Sollte" ist an dieser Stelle irreführend. Seit einigen Jahren gibt es weiche Dauertragelinsen (Air Optix Aqua Night&Day, PureVision) die man bis zu 30 Tage am Stück tragen darf. Also Tag und Nacht. Alle anderen Linsen müssen natürlich abends raus. Das durchtragen sollte man besser mit seinem Optiker abstimmen, da ca. 8% der Träger nicht dafür in Frage kommen (zu dicke Augenlider und damit zusammen mit der Linse eine zu große Sauerstoff-Barriere).

7. Weiche Linsen kann man 20 Minuten lang in einer Kochsalzlösung auskochen. Harte Linsen dürfen nicht ausgekocht werden.

Antwort:
Davon habe ich noch nie gehört. Vielleicht verlinkt die Autorin mal ihre Quellen, dann lass ich mich gerne belehren. Abgesehen davon, dass auch kochendes Wasser keinen Fettfilm lösen kann, dürfte sich die Linse beim kochen verformen. Man kann bestimmte Linsenbehälter auskochen, aber da bei vielen Pflegemitteln auch neue Behälter beigelegt sind, braucht man das eigentlich nicht.

8. Bevorzugen Sie Pflegemittel ohne Konservierungsstoffe.

Antwort:
Pflegemittel ohne Konservierungsstoffe sind auf jeden Fall verträglicher, doch welche sind das? Hier hätte der Hinweis, dass es dann aber ein Peroxyd-System sein muss noch reingepasst. Eine normale, weit verbreitete Kombilösung enthält Konservierungsstoffe.

9. ...kann auch auf Einmallinsen zurückgreifen. Diese Linsen sind allerdings nur in einer Linsenform verfügbar ...

Antwort:
Einmallinsen, also Tageslinsen. Aber was ist mit "Linsenform" gemeint? Tageslinsen gibt es in fast jeder "Form" in der es auch Monatslinsen gibt. Es gibt sogar multifokale Tageslinsen (Gleitsichtlinsen) oder biokompatible Tageslinsen, oder oder... 

10. Dadurch kann es nach einer Tragezeit der Eintageslinsen von zwei bis acht Wochen zu einer Mangelernährung der Hornhaut kommen.

Antwort:
Wie jetzt? Tageslinsen trägt man einen Tag und nicht 2-8 Wochen. Trägt man 2-8 Wochen lang weiche Linsen, egal ob Tageslinsen, 2-Wochenlinsen oder Monatslinsen und wechselt diese nach der angegebenen Zeit (also jeden Tag, aller 2 Wochen oder jeden Monat) dürfte dem normalen Auge nichts passieren. Eine Mangelernährung kann natürlich je nach Auge auftreten, ist aber völlig unabhängig von der Tragezeit. 

Was ist nun die "richtige Linse"?

Soweit die auffälligsten Schwächen im Artikel. Es ist schade, dass solche Informationen auf einer so großen und beachteten Seite wie Spiegel Online verbreitet werden. Die wichtigste Information zur "richtigen Kontaktlinse" war irgendwo versteckt bei der Pflege zu finden:

Und zwar im Rahmen einer ausführlichen Untersuchung mit Beratungsgespräch und späteren Anpassung. Bei der Untersuchung wird nicht nur die Sehleistung oder Hornhautverkrümmung der Augen bestimm, sondern auch der Tränenfilm analysiert. Das Gespräch bringt dem Optiker die nötigen Informationen über das Trageprofil (lange Arbeitstage, klimatisierte Luft usw...). Mit diesen Informationen sucht der Optiker passende Linsenn heraus und man darf diese unter ständiger Nachkontrolle probetragen. Werden dabei keine weiteren Probleme festgestellt, hat man "seine Linsen", also die Marke, die zu dem Auge und dem Anforderungsprofil passen. Mehr hätte in dem Artikel auch nicht stehen brauchen.

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